Parodontologie

1. Was ist Gingivitis?
Mehr als 80% der erwachsenen Bevölkerung zeigen Zeichen einer Zahnfleischentzündung (Gingivitis). Hauptsymptom dieser Entzündung ist das Zahnfleischbluten, ihre Ursache sind Bakterien.

Die Bedeutung der Gingivitis liegt vor allem darin, dass sich aus Ihr eine Parodontitis entwickeln kann, also eine Entzündung des Zahnfleischapparats, die, sofern diese unbehandelt bleibt, letztlich zum Zahnverlust führen kann und auch mit allgemeinmedizinischen Problemen verknüpft ist. In den Bakterien und dem Biofilm (Plaque) innerhalb der Mundhöhle wurden bisher ungefähr 500 verschiedene Bakterienarten gefunden. In einem solchen Biofilm sind Bakterien in einem dreidimensionalen Netzwerk organisiert. Leimähnliche Substanzen lassen sie dabei fest aneinander und an der Zahnoberfläche haften. Daher können diese Bakterien nicht einfach durch Spülen oder die Verwendung von Wasserstrahlgeräten weggespült werden. Hier muss man mechanisch vorgehen, indem man neben der Zahnbürste auch Hilfsmittel zur Reinigung der Zahnzwischenräume (Zahnseide oder Interdentalbürsten) verwendet.

Die Plaquebildung bzw. -reifung erfolgt innerhalb weniger Tage. Zahlreiche Faktoren begünstigen die Plaquebildung. Dazu gehören u. a. eine ungenügende Speichelmenge, eng stehende Zähne, kariöse Defekte, abstehende Füllungs- und Kronenränder, Zahnstein und eine falsche Ernährung, die zu wenig zum Kauen zwingt. Abwehrmechanismen gegen die Bakterien und ihre Toxine (Giftstoffe) sind in erster Linie genetisch bestimmt. Daher kann die Zahnfleischentzündung individuell unterschiedlich stark verlaufen. Daneben gibt es eine Reihe weiterer Faktoren, die einen wichtigen Einfluss haben. Hierzu gehören Allgemeinerkrankungen, Funktionseinschränkungen der Abwehrzellen, Stoffwechselstörungen und Stress.

2. Was ist zu tun gegen Gingivitis?
Schwellung, Rötung und Zahnfleischbluten schon bei leichten Berührungen sind die wichtigsten Zeichen einer Gingivitis. Viele Betroffene glauben, dass das Zahnfleisch an diesen Stellen "geschont" werden muss. Das Gegenteil ist richtig: Hier muss der bakterielle Belag besonderes gründlich entfernt werden.

Durch die richtige tägliche Mundhygiene (Zähneputzen und Säubern der Zahnzwischenräume mit entsprechenden Hilfsmitteln), zwei mal am Tag, entwickelt sich innerhalb von wenigen Tagen ein entzündungsfreies Zahnfleisch, das nicht mehr blutet.

Hält es länger an, sollte man den Zahnarzt um professionelle Hilfe bitten. Auf jeden Fall ist es sinnvoll, die eigene häusliche Mundhygiene durch eine Professionelle Zahnreinigung zu ergänzen.

Bleibt eine Gingivitis unbehandelt, kann die Entzündung auf den restlichen Zahnhalteapparat übergreifen und schließlich zu Zahnverlust führen.

3. Was ist Parodontitis?
Das Wort " Parodontium" bedeutet wörtlich übersetzt " Das den Zahn umgebende Gewebe", es wird auch der Begriff " Zahnhalteapparat" verwendet. Er besteht aus dem Zahnfleisch, dem Kieferknochen, dem Wurzelzement und dem Periodontium (Wurzelhaut). Der Zahn ist mit der Zahnwurzel über das Wurzelzement und die Wurzelhaut im Knochen verankert. Eine lang dauernde Gingivitis kann auf den Kieferknochen, die Wurzelhaut und das Zement übergreifen. Jetzt spricht man von einer Parodontitis, bakteriell bedingte Entzündung, bei der es bereits zu einer weitgehend irreversiblen Zerstörung des Zahnhalteapparates gekommen ist, landläufig und falsch " Paradentose" genannt.

Voraussetzung für das Auftreten der Erkrankung sind Bakterien (bakterielle Plaque), Art und Schwere des Verlaufs einer Parodontitis werden entscheidend von der immunologischen Reaktion des betroffenen Patienten bestimmt.

Unbehandelt kann die Parodontitis zum Zahnverlust führen. Bei Erwachsenen sind Parodontalerkrankungen der Hauptgrund für Zahnverlust. Mehr als 90 % der 35jährigen leiden an einer Form der Zahnbetterkrankung. Daneben bestehen zwischen einer Parodontitis und einigen Allgemeinerkrankungen vielfältige Wechselwirkungen. Man muss sich darüber im Klaren sein: Bei einer Parodontitis ist nicht nur das Zahnfleisch erkrankt, sondern der ganze Körper.

Es muss daher das Ziel sein, das Entstehen einer Parodontitis zu verhindern, bzw. sie in einer sehr frühen Form zu erkennen und zu behandeln.

4. Welche Symptome treten bei einer Parodontitis auf?
Parodontalerkrankungen sind gewöhnlich schmerzlos. Daher werden sie häufig vom Patienten selbst nicht bemerkt. Folgende Anzeichen können auf eine Erkrankung des Zahnbetts hindeuten:

- Zahnfleischbluten beim Putzen
- Rotes, angeschwollenes oder empfindliches Zahnfleisch
- Zahnfleisch, das sich von Zähnen zurückgezogen, hat Mundgeruch
- Sekret- oder Eiterung aus Zahnfleischtaschen
- Lockere Zähne
- Änderung beim Aufeinanderpassen der Zähne beim Zusammenbeißen
- Änderung im Sitz von Teilprothesen

5. Welche Risikofaktoren begünstigen die Parodontitis?
Obwohl das Immunsystem die Hauptrolle bei der Entstehung einer Parodontitis spielt, gibt es einige Risikofaktoren, die die parodontale Gesundheit beeinflussen können:

- Schlechte Mundhygiene
- genetische Faktoren, die die Entzündungsreaktion auf den bakteriellen Reiz bestimmt. 30 % der Bevölkerung scheint für Parodontalerkrankungen genetisch empfänglich zu sein
- Rauchen, das Risiko an einer Parodontitis zu erkranken steigt beim Raucher um den Faktor 2-7
- Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
- Stress
- unausgewogene Ernährung
- allgemeine Abwehrschwäche

6. Warum sollte eine Parodontitis behandelt werden?
Falls die Parodontitis nicht rechtzeitig und richtig behandelt wird, kann Zahnverlust mit all seinen Konsequenzen die Folge sein. Ästhetische und funktionelle Beeinträchtigungen sind hier an erster Stelle zu nennen. Daneben erhöht das Vorhanden sein einer unbehandelten Parodontitis das Risiko für Herzerkrankungen und Diabetes mellitus. Neuere Untersuchungen sprechen dafür, dass sogar das Risiko für niedriges Geburtgewicht ursächlich mit einer Parodontitis zusammenhängen kann. Zahnverlust mit seinen Folgen sowie die allgemeinmedizinische Bedeutung der Parodontitis haben zur Folge, dass diese Erkrankung - auch wegen ihrer großen Häufigkeit - volkswirtschaftlich eine hohe Bedeutung hat.

7. Wie wird Parodontitis behandelt?
Die Behandlung der Parodontitis richtet sich vor allem nach Art und Schwere der Erkrankung. Am Anfang der Behandlung steht eine präzise Diagnostik: klinische (Messung und Sondierungstiefen und Lockerungsgrad der Zähne) und röntgenologische Untersuchung, in manchen Fällen ergänzt durch mikrobiologische Maßnahmen (Microcheck).

Das Spektrum der verschiedenen Behandlungsmethoden reicht von der professionellen Zahnreinigung bis hin zu Lappenoperationen und regenerativer Parodontalchirurgie. Hauptziel jeder Behandlung ist es die Bakterienmenge zu reduzieren und bestimmte Keimarten zu eliminieren oder eine Wiederherstellung (Regeneration) des durch Parodontitis verloren gegangenen Zahnhalteapparates.

Am Anfang steht in der Regel die Beseitigung von Plaque und Zahnstein sowie von harten Ablagerungen unterhalb des Zahnfleischrandes (Konkremente). Die Wurzeloberflächen werden nicht nur gereinigt, sondern auch geglättet. Dies geschiet mit Küretten und mit ultraschallbetriebenen Geräten.

Nach der ersten Behandlungsphase wird das Ergebnis überprüft und gegebenenfalls korrigiert. Sind sehr tiefe Zahnfleischtaschen von mehr als 5 mm vorhanden, kann es erforderlich sein, die Taschen chirurgisch zu behandeln.

Unter bestimmten Voraussetzungen (aggressive, schnell verlaufende Formen der Parodontitis) ist es sinnvoll, die Behandlung durch die Anwendung von Antibiotika zu ergänzen. Diese können in Tablettenform (systemisch) gegeben werden, oder sie werden direkt in die Zahnfleischtasche eingebracht.

8. Was ist eine parodontale Regeneration - Knochenaufbau?
Das ideale Therapieziel wäre es, verloren gegangenes Stützgewebe (Zahnfleisch, Kieferknochen, Wurzelhaut und Wurzelzement) wieder herzustellen und zu regenerieren.

Hierfür gibt es verschiedene Behandlungsverfahren: Nach chirurgischer Öffnung der betreffenden Stelle wird die Zahnoberfläche zunächst gesäubert. Vor dem Vernähen des vorsichtig zurück geklappten Zahnfleisches kann in den Knochendefekt ein so genanntes Knochenersatzmaterial eingebracht werden, das dem regenerierenden Knochen als Leitschine (Matrix) dient und ihn auch zum Wachstum anregen soll.

Bei einem anderen Vorgehen, werden Membranen auf den Knochendefekt gelegt, die ein In-die-Tiefe-Wachsen von Bindegewebe und Zahnfleischepithel verhindern sollen. (GTR - Gesteuerte Geweberegeneration)

Bei dem neuesten Therapieverfahren bringt man aus tierischen Zahnanlagen gewonnene Eiweißstoffe (Zahnschmelz Matrix Proteine) in den Knochendefekt und auf die gesäuberte Wurzelfläche ein, die die Regeneration des Parodontalgewebes anregen sollen. Alle drei oben genanten Therapieverfahren kann man auch kombinieren. Ob solche ergänzende Maßnahmen erfolgreich sind, hängt sehr von den individuellen Gegebenheiten ab, u. a. auch von der Form des Defekts.

9. Nachsorge / Erhaltungstherapie
Von ganz entscheidender Bedeutung für den langfristigen Behandlungserfolg ist die Art der Erhaltungstherapie. Regelmäßig müssen das Behandlungsergebnis überprüft und der momentane Zustand des Zahnfleisches kontrolliert und die Zähne professionell gereinigt werden. Defizite in der Mundhygiene können dabei frühzeitig entdeckt und behoben werden.

Erhaltungstherapie sollte von einem parodontologisch geschulten Behandlungsteam durchgeführt werden. Mit einer guten Nachsorge steht und fällt der Erfolg bei der Behandlung einer Parodontitis. Sie ist wichtiger als die Frage, welches Therapieverfahren im Einzelnen eingesetzt wurde.

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